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Über 125
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Was bedeutet ´ Kluet un Rekelieser `
wird häufig gefragt, wenn es um den Vereinsnamen unserer Karnevalsgesellschaft
aus Oberembt geht ?
Die Gründerväter müssen sich doch irgendwelche Gedanken gemacht haben, als sie
diese originelle Bezeichnung wählten !
Nun, es ist müßig darüber zu diskutieren, wie man zu dem Vereinsnamen gekommen
ist. Heute kann man ohnehin nur durch Befragen unserer älteren Mitbürger oder
durch eigene Recherche etwas in Erfahrung bringen - und das ist schon eine ganze
Menge.
Im nachhinein muss sich wohl jeder wundern, wieso die Menschen damals im Jahre
1878 an die Gründung eines Karnevalvereins dachten, wenn man bedenkt, in welchen
wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen die Masse des Volkes in jener Zeit
lebte. Deshalb sei hier kurz ein geschichtlicher Rückblick gestattet.
Staatsoberhaupt des damaligen Deutschen Reiches 1878 war Kaiser Wilhelm I. und
Regierungschef war Fürst Otto von Bismarck als Reichskanzler. Das unter Bismarck
geeinigte Deutsche Reich, das hervorgegangen war aus dem Deutschen Bund, stand
nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 kurz vor Beginn der
Industrialisierung. Es entwickelte sich vom reinen Agrarland zum Industriestaat
und war später wirtschaftlich mit tonangebend in der Welt.
Nur dem Arbeiter ging es nicht besonders gut. Es fehlte an allem; beispielsweise
gab es noch keine Rentenversicherung, keinen Schutz bei Krankheiten, kaum
Urlaub, lange Arbeitszeit, schlechte Bezahlung, meist unzureichende
Wohnverhältnisse; das führte schließlich zur wachsenden Verbreitung der
sozialistischen Ideen von Karl Marx und Friedrich Engels. Natürlich gab es noch
keine Autos, kein Rundfunk, kein Fernsehen, noch nicht einmal elektrisches Licht
und keine Reisen in ferne Länder. Die einzigen Verkehrsmittel die man hätte
benutzen können, wäre die Eisenbahn, das Fahrrad oder Pferdekutschen gewesen.
Der Wunsch nach ein wenig Abwechslung und Vergnügen in dem harten und eintönigen
Leben der Bevölkerung mag sicher groß gewesen sein. Vielleicht ist der eine oder
andere Gründer zur Narrenzeit in Köln gewesen, dass damals schon die Hochburg am
Rhein im Karneval war und hat dort die Karnevalsumtriebe gesehen. Es ist
durchaus möglich, dass man daran Gefallen fand und deshalb auf die Idee gekommen
ist, etwas ähnliches in Oberembt ins Leben zu rufen.
Sicherlich ist früher der Karneval in einer anderen Form gefeiert worden als
heute; er spielte sich überwiegend auf der Straße ab, auf der man wahrscheinlich
maskiert herumzog. Gelegentlich fanden auch Maskenbälle und Theateraufführungen
statt. Dabei wurde über alles glossiert, sei es über den neuesten Dorftratsch
oder über die Politik. Aber da die damaligen Machthaber keineswegs so tolerant
waren als in der heutigen Zeit, so war das schon ein ´heißes Eisen`, was man da
anfasste.
Hier haben wir nun die symbolische Bedeutung von ´Kluet un Rekelisier` für
Feuerzange, mit der ein Schmied das glühende Eisen aus der Esse nimmt. Da dieses
Thema unerschöpflich ist, war man bestrebt, die karnevalistische Idee zukünftig
fortzuführen; deshalb durfte das Feuer in der Esse nicht erlöschen, musste immer
wieder mit dem Stocheisen, dem ´Rekelieser`, geschürt werden.
Der Vereinsname war aus der Taufe gehoben und nannte sich fortan
Karnevalsgesellschaft ´Kluet un Rekelieser`. Die Gründer seinerzeit waren schon
weise Leute, als sie dem Verein diesen Namen gaben.
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